Waldgespräch: Wald der Zukunft in Zeiten der Dürre

© Naturpark Jauerling-Wachau
© KLAR Wachau-Dunkelsteinewald-Jauerling
© KLAR Wachau-Dunkelsteinerwald-Jauerling

Zunehmende Trockenheit, Eis- und Schneebruch, Borkenkäfer: Wie geht man in unserer Region mit den Folgen des Klimawandels im Wald um? Bei der Exkursion am 16. Oktober um 9:00 Uhr gab es praktische Einblicke vor Ort.

Nach der Begrüßung durch Geschäftsführerin Mathilde Stallegger vom Naturpark Jauerling-Wachau und Michael Tanzer von der KLAR! Region Wachau-Dunkelsteinerwald-Jauerling führte Moderatorin Katharina Bancalari durch die Veranstaltung. Marcus Estl, Maren Rötger und Bernhard Funcke von den Österreichischen Bundesforsten gaben bei einer gemeinsamen Waldexkursion Einblicke in die Herausforderungen und Möglichkeiten einer klimafitten Waldbewirtschaftung. Bezirksförser Martin Widhalm und Forstadjunkt Franz Vogl vom Stift Göttweig ergänzten mit fachlichen Einschätzungen und Beratungs- und Förderinfos.

Naturverjüngung und Vielfalt als Chance

Die vergangenen Jahre haben am Jauerling deutliche Spuren hinterlassen: Stürme, Schneebruch, Trockenheit und Borkenkäferbefall stellen insbesondere reine Fichtenbestände vor große Herausforderungen. Umso wichtiger wird die Entwicklung strukturreicher Mischwälder mit standortangepassten Baumarten.

Ein Schwerpunkt der Exkursion lag auf der Naturverjüngung, bei der junge Bäume aus den Samen vorhandener Altbäume entstehen. Auf einer der besichtigten Flächen konnten neun verschiedene natürlich aufgekommene Baumarten festgestellt werden. Neben der natürlichen Selektion bietet diese Form der Waldverjüngung auch wirtschaftliche Vorteile, da Pflanzkosten eingespart und stattdessen in die gezielte Jungwuchspflege investiert werden können. Auch die Epigenetik und ihre mögliche Bedeutung für die Anpassungsfähigkeit zukünftiger Baumgenerationen wurden diskutiert.

Gezielte Waldpflege und schonende Bewirtschaftung

Anhand unterschiedlicher Waldbestände zeigten die Fachleute, wie durch die gezielte Förderung sogenannter Zukunftsbäume stabile und vielfältige Wälder entwickelt werden können. Dabei spielen die richtige Durchforstung, ausreichend Platz für die Kronenentwicklung und die Erhaltung einer vielfältigen Baumartenmischung eine wichtige Rolle.

Ein weiterer Schwerpunkt war der Schutz des Waldbodens. Schwere Forstmaschinen können insbesondere bei feuchten Bodenverhältnissen langfristige Schäden verursachen. Die konsequente Nutzung bestehender Rückegassen, geeignete Witterungsbedingungen und innovative Forsttechnik tragen dazu bei, die Belastungen zu reduzieren. Auch der Umgang mit Schadholz wurde thematisiert. An einer Waldlichtung erläuterten die Vortragenden die Möglichkeiten der Nasslagerung und Maßnahmen zur Eindämmung des Borkenkäferbefalls.

Wald und Wild gemeinsam denken

Zum Abschluss stand ein rund 100-jähriger Fichtenwald im Mittelpunkt. Hier wurde deutlich, wie durch gezielte Lichtsteuerung die natürliche Verjüngung gefördert werden kann. Gleichzeitig wurde die Bedeutung von Habitatbäumen, etwa Bäumen mit Spechthöhlen, für die Artenvielfalt hervorgehoben. Eine zentrale Herausforderung bleibt der Einfluss des Wildverbisses auf junge Bäume. Damit sich unterschiedliche Baumarten erfolgreich entwickeln können, braucht es eine enge Zusammenarbeit zwischen Forstwirtschaft und Jagd.

Das Waldgespräch zeigte eindrucksvoll: Klimafitte Wälder entstehen nicht durch eine einzelne Maßnahme, sondern durch das Zusammenspiel von Naturverjüngung, Baumartenvielfalt, gezielter Waldpflege und einer nachhaltigen Bewirtschaftung. Die zahlreichen Praxisbeispiele boten den Teilnehmer:innen wertvolle Einblicke und Anregungen für die Waldentwicklung der Zukunft.